Seminare

Wintersemester 19/20
  • GEISTE[R/S]-WISSENSCHAFTEN: Audio-Visionen des Unheimlichen (BA)

Die Geisteswissenschaften sind voll von Geistergeschichten: Auf theoretischer Ebene forcierte Friedrich Kittler 1980 die Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften, in dem er mit poststrukturalistischen Programmen aus den alten Humanwissenschaften die Medien- und Kulturwissenschaften transformierte. In der Psychoanalyse öffnete Sigmund Freud den Raum für Das Unheimliche, während Autoren wie E.T.A. Hoffmann schon in der schwarzen Romantik das Erhabene, Schreckliche und Groteske zum literarischen Topos machte. Heute geistern Untote und Wiedergänger zuhauf durch das medienkulturwissenschaftliche Feld und seine audiovisuellen Gegenstände: In Serien wie Lars von Triers Geister, medientheoretischen Figurationen (Dracula, Zombies), bis hin zur Hauntology von Mark Fischer.

  • PRINT-FUNK@ONLINE: Praktische Spielarten des Kulturjournalismus (BA)

Der Kulturjournalismus hat sich in Kongruenz zu Medienwechseln und der Evolution des Technischen gewandelt: Von mündlicher und schriftlicher Überlieferung, über den Rundfunk (Radio und TV), bis in unser Zeitalter Neuer Medien. Das Aufbauseminar Print-Funk@Online widmet sich gleichermaßen Theorien sowie praktischen Spielarten des Kulturjournalismus: von kritischer Theorie zu kritischer Praxis. Dazu gehört die Reflexion von Mechanismen und Funktionen der (Masen-)Medien ebenso, wie die Analyse von kulturellem Content in den verschiedenen Medien, bis hin zur gezielten Anwendung journalistischer Recherche- und Schreibpratiken in kulturellen Kontexten (Musik, Film und Theater). Im Rahmen eines Schreibwettbewerbs mit dem HHU-Universitätsmagazin erhalten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit einer Publikation.

Sommersemester 19
  • POSTHUMAN – ALL TOO HUMAN? Kunst und Kultur im Anthropozän (MA)

Unter dem hypothetisch fragenden Titel Posthuman – All too Human? lotet das Seminar anthropologisches Wissen sowie die Bedingungen von Kunst und Kultur im Anthropozän aus. Wir fragen: Wo bleibt unter dem posthumanen Dispositiv die Natur? Was geschieht mit klassischen Konzepten wie dem Humanismus? Wo bleibt der Mensch vor dem Hintergrund der Maschinen- und einer sich wandelnden Medienkultur in der Technosphere? Ziel des Seminars ist die interdisziplinäre Annäherung und analytische Vermessung entsprechender Ansätze in der Kultur-, Medien- und Wissensgeschichte sowie ihre künstlerischen Veräußerungen – von filmischen Audiovisionen, über Literaturen und die performativen Künste, bis hin zu klingenden Artefakten des Posthumanen.

  • »SPACE IS THE RACE« – Die afrofuturistische Eroberung des Kunstraums (BA)

Bereits der europäische Futurismus war ein explizit transkulturelles Projekt, allerdings innerhalb der weißen Welt: Mit radikalen Ideen von der maschinellen Beschleunigung der Welt und der Künste leiteten die historischen Futuristen Anfang des 20. Jahrhunderts die westliche Moderne ein. Hundert Jahre später geistert ein neues zukunftsweisendes Phänomen durch Kunst und Kultur, Theorie und Leben, das »Afrofuturismus« genannt wird. Vision und Trash, Utopien und Medien, Spiritismus und Technik, Feminismus und Groteske weisen Afrika als Kontinent der Innovation im 21. Jahrhundert aus: von den Weltraumfantasien des Experimentaljazzers Sun Ra und den Science-Fiction-Erzählungen Octavia Butlers, über den schwarzen Superheldenfilm Black Panther bis hin zu afro-feministischen Positionen einer Beyoncé oder Serena Williams. Dieser spartenoffene afrofuturistische Kunstraum erzählt von ästhetisch motivierten Zukunftsphantasien seitens der afrikanischen Diaspora und people of colour, die den Manifestationen des europäischen Futurismus vor hundert Jahren in Punkto Zukunftsträchtigkeit in nichts nachstehen. Utopisch beseelt und mit Blick auf die möglichen – künstlerischen und gesellschaftlichen – Zukünfte eines noch unbestimmten Futur II, heißt es diesmal: ›Black to the Future‹!


KRITISCHE PRAXIS

    • > KPI: Kulturjournalismus (Wintersemester 15/16)
    • > KPII: Kunst=Kapital (Sommersemester 16)
    • > KPIII: Posthuman – all too human? (Wintersemester 16/17)

 

Mit der Seminarreihe Kritische Praxis, die zwischen wissenschaftlichem Diskurs und kulturjournalistischer Arbeit definiert wird, werden den Studierenden sowohl medientheoretische wie -praktische Kompetenzen vermittelt. Aus dem ‚Kurzschluss‘ kritischer Medientheorien und feuilletonistischem Schreiben sollen die Teilnehmer mit einem ‘konstruktiven Journalismus‘ vertraut gemacht werden, der gleichermaßen reflektierten Tiefgang sowie eine ‚gute Schreibe‘ aufweist. Die Ergebnisse werden im Blog (KRITISCHE PRAXIS) dokumentiert und darüber hinaus konkrete Möglichkeiten erster Veröffentlichungen eröffnet – und generiert:

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eines der bunten Blätter auflagenträchtig titelt: SKANDAL! – Bedeuten solche Vorgänge in Politik oder Wirtschaft meist schwerwiegende Konsequenzen, so ist der ästhetische Skandal anders gelagert: Hier wird die Empörung im Zuge einer „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ (G. Frank) oftmals geradezu inszeniert. Über die kommunikationstechnische Seite der schlagzeilenträchtigen Produktion von Empörung hinausgehend, können Skandale als ‚Schlüsselereignisse‘ definiert werden, die einen interdisziplinären Zugang zur Kultur der Moderne eröffnen. Als Störfälle innerhalb der etablierten Ordnung, geben solche eklatanten Ereignisse gerade in ihrer Außergewöhnlichkeit Hinweise auf die Konstituierung und den Wandel sozialer und ästhetischer Normen in der Moderne.